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1. Tag:  NÜRNBERG › FRANKFURT › SEATTLE › PORT ANGELES
Früh am Morgen bringt mich das Taxi zum Nürnberger Flughafen. Nachdem ich mir die Boardkarte am Lufthansa-Automaten ausgedruckt und das Gepäck aufgegeben habe, verbringe ich die Wartezeit bis zum Abflug mit einem Latte und Granola im Marché Bistro. Obwohl der Rucksack das Handgepäcklimit um vier kg überschreitet, gibt es beim Lufthansa Check-in keine Probleme. Pünktlich um 8.10 Uhr landet die Embraer 190 auf dem Frankfurter Flughafen. Bis der Zubringerbus das Terminal erreicht, vergehen nochmals zwanzig Minuten. Ich bin froh das mir eine weitere Sicherheitskontrolle erspart bleibt. Zwar sind es nur paar Minuten Laufweg bis zum Abfluggate, aber bis zum Boarding habe ich nur dreißig Minuten Zeit, da bleibt wenig Zeit für eine Kaffeepause. Beim Sitzplatz habe ich Glück, in der viersitzigen Mittelreihe des Airbus A330 bleiben zwei Plätze frei. Der zehneinhalbstündige Nonstop-Flug nach Seattle startet pünktlich um 9.35 Uhr. Während des Fluges beginne ich die ersten Zeilen an diesem Reisebericht zu schreiben. Anstatt Notebook schreibe ich dieses mal auf dem iPad. Das iPad ist handlicher und die E-Tastatur ist kein Hindernis, auch wenn es mit der Notebook-Tastatur vielleicht einen Tick schneller geht. Nach einem Nickerchen schaue ich mir den Film „Source Code” über das In-Seat Entertainment an.

Pünktlich um 11.05 Uhr landet der Airbus A330 auf dem Seattle-Tacoma International Airport. Vom Ausstieg aus dem Flugzeug bis nach der Immigration-Procedere vergehen nur sieben Minuten. Ich glaube das liegt sogar unter meinem bisherigen Rekord von acht Minuten in Las Vegas 2008. Weil das Gepäckband streikt, darf ich dafür umso länger auf den Koffer warten. Die Formalitäten bei der National-Autovermietung sind auch schnell erledigt. In der Parkreihe stehen eine Handvoll SUVs, darunter ein Ford, KIA und Jeep. Ich habe zwar nur einen Midsize SUV gebucht, wähle aber trotzdem den größten SUV, einen Jeep 4x4 Commander, aus der Choice-Line. Ein Navi wird mitgegeben, aber ein iPad ist viel komfortabler. Auf den letzten Drücker erwische ich die Fähre nach Bainbridge Island. Die Überfahrt dauert gut eine halbe Stunde, anschließend geht die Fahrt direkt weiter nach Port Angeles. In Seattle war der Himmel noch stark bewölkt, während sich in Port Angeles der Herbst von seiner schönsten Seite zeigt. Am Ortseingang liegt ein Walmart, dort kaufe ich eine Palette Wasserflaschen sowie einen Schlafsack und Isomatte. Nachdem ich gleich ein Motel gefunden habe, gehe ich ins Downriggers zum Abendessen. Die Halibut Fish & Chips schmecken sehr gut, die Clam Chowder eher weniger. Nach über 24 Std auf den Beinen, falle ich um 20.00 Uhr todmüde ins Bett, wohl wissend dass es aufgrund des Jet Lag nur eine kurze Nacht werden wird.


Gefahrene Strecke: 88 Meilen +++ Unterkunft: Flagstone Motel, Port Angeles +++ Wetter: 22°C, bewölkt bis sonnig


2. Tag:  PORT ANGELES › HURRICAN RIDGE › SOL DUC FALLS
Der Olympic National Park wurde 1938 gegründet und liegt im westlichen Teil des US-Bundesstaates Washington auf der Olympic-Halbinsel. Seit 1976 ist der Nationalpark auch als Biosphärenreservat der UNESCO ausgewiesen. 1981 erklärte ihn die UNESCO zum Weltnaturerbe. Da der Nationalpark auf einer abgelegenen Halbinsel liegt, haben sich hier einige Tier- und Pflanzenarten entwickeln können, die nur hier im Park vorkommen. Aus diesem Grund ist der Park ein bei Biologen und Zoologen beliebtes Forschungsgebiet. Der Nationalpark besteht aus zwei voneinander getrennten Teilen. Die Küstenabschnitt ist stark zerklüftet und oft in Nebel eingehüllt. Landeinwärts schließt sich direkt an die Strände der Wald an, was oft dazu führt, dass umgefallene Baumstämme quer über den Strand liegen. Das Kerngebiet des Parks ist die Gebirgsregion um die Olympic Mountains, die von vielen alten Gletschern bedeckt ist. Westlich daran schließen sich bis zur Parkgrenze Gemäßigter Regenwald an, hier liegt (abgesehen von Hawaii) der regenreichste Punkt der USA. Quelle: wikipedia

Um 4:30 Uhr bin ich schon wieder unterwegs. Zu dieser Zeit ist in Port Angeles noch tote Hose. Zumindest hat das Drive-Thru Café Higher Grounds bereits geöffnet. Ich hole mir einen Vanilla Latte, genieße die milde Morgenluft bei einem nahezu sternenklaren Himmel und fahre anschließend zum Hurricane Ridge. 18 Meilen schlängelt sich die Hurricane Ridge Road den Berg hinauf. Am Visitor Center auf 1598 m angekommen, hat man eine wunderschöne Aussicht auf die umliegenden Berge des Olympic National Park und Port Angeles. In der Ferne sieht man Vancouver Island, Salt Spring Island und San Juan Island. Der Sonnenaufgang ist nur von kurzer Dauer, dichte Bewölkung zieht auf.

Auf der Hurricane Ridge Road geht es den gleichen Weg wieder zurück. Weiter auf dem Highway 101, entlang des Lake Cresent, zu den Sol Duc Falls. Unterwegs gehe ich in dem urig eingerichteten Granny's Cafe frühstücken. Es hat sich seit meinem letzten Besuch 2006 überhaupt nicht verändert. Es gibt ein Garden Omelet mit Toast und Kaffee. Gut gestärkt mache ich mich auf das letzte Stück Fahrt. Vom Highway 101 zweigt eine 14 Meilen lange Straße in das Sol Duc Valley ab. Am Ende der Straße liegt u.a. der Trailhead zu den Sol Duc Falls. Mit Kamera und Stativ laufe ich auf dem 1,6 Meilen langen Rundweg zu den Sol Duc Falls. Leichter Nieselregen begleitet mich auf dem Weg zu den Wasserfällen. Um den milchigen Wassereffekt zu erzielen, benutze ich einen Singh-Ray Vari-ND Filter, zugleich mildert ein Polfilter die Reflektionen auf feuchten Pflanzen und Steinen. Auf der Rückfahrt halte ich noch bei den Salmon Cascades. Hier kann man im Herbst die Lachse bei der Wanderung flussaufwärts beobachten.

Über die Highways 101, 113 und 112 führt die Fahrt über Clallam Bay in die Makah Indian Reservation. In Neah Bay angekommen, fahre ich zuerst zum Makah Tribal Center und besorge mir das Recreational Use Permit. Anschließend geht es zum Cape Flattery, dem nordwestlichsten Punkt der USA. Über den Regen bin ich nicht erfreut, ich packe dennoch die Kamera in das Rain Cape und laufe den 1,5 Meilen langen Cape Trail Rundweg. Im Warmhouse, dem einzigen Restaurant in Neah Bay, gehe ich zum essen. So gut wie in Port Angeles sind die Fish & Chips leider nicht. Danach statte ich dem Makah Museum einen Besuch ab, bevor ich nochmals zum Cape Flattery fahre. Auch wenn es aufgehört hat zu regnen, bleibt es trüb und es wird nichts mit einem stimmungsvollen Sonnenuntergang am Cape Flattery. Für den morgigen Tag ist sonniges Wetter vorhergesagt, aber leider nur für den Norden der Olympic Peninsula.


Gefahrene Strecke: 189 Meilen +++ Unterkunft: Hobuck Beach Campground, Neah Bay +++ Wetter: 18°C, bewölkt, Schauer


3. Tag:  SHI SHI BEACH › SECOND BEACH
Die Meeresbrandung ist so laut am Hobuck Beach Campground, da braucht man keinen Wecker um wach zu werden. Der einfache Campground bietet keinen Luxus und die Waschräume sind nur was für hartgesottene Camper. Es ist ein schöner Sonnenaufgang über Neah Bay. Der Wetterbericht hat recht: Nördlich der Olympic Peninsula herrscht Sonnenschein, während die Westseite mit trüben Wetter aufwartet und die Wettervorhersage verspricht nichts Gutes für die nächsten drei Tage. Für den Hike zur Shi Shi Beach packe ich nur die nötigsten Sachen ein: Kamera, Objektive, Filter, Wasserflasche und einige Powerriegel. Am frühen Morgen parke ich das Auto bei Donna, einem der drei Anwesen, wo man sein Fahrzeug gegen Gebühr parken kann. Dana, Donnas Ehemann, bietet sich an mich bis zum Trailhead zu fahren. Dankend nehme ich sein freundliches Angebot an. Hätte ich gewusst was mich auf dem knapp zwei Meilen langen Weg bis zur Shi Shi Beach erwartet, hätte ich diesen Hike nicht gemacht.

Die ersten Meter des verschlungenen Trail, teils auf Holzplanken, verlaufen noch normal. Der Regen der vorangegangenen Tage hat den Boden so aufgeweicht das der Weg um die Wasserlöcher herum eher einem Hindernislauf gleicht. Mittlerweile versinke ich knöcheltief im Morast. Ein eher harmloser Ausrutscher auf dem Holzplankenweg hinterlässt einen irreparablen Schaden an dem 24-120 mm Objektiv. Auch wenn das Objektiv weiterhin funktionsfähig ist, ein ärgerlicher Zwischenfall. Ich bin froh das ich ein am Baum befestigtes Seil vorfinde. Das Seil hilft beim steilen Abstieg auf dem rutschigen Waldboden hinab zum Strand. Das trübe Wetter und mein Missgeschick motivieren mich nicht zu der Wanderung zum „Point of Arches.”

Nach einem Strandspaziergang mache ich wieder auf dem beschwerlichen Rückweg. Am frühen Nachmittag geht es weiter nach Forks. Nachdem ich im Forks Motel eine Unterkunft für die nächsten zwei Tage gefunden habe, fahre ich zur Second Beach bei La Push, Heimat des Quillayute Stamm. Genauso wie beim Shi Shi Trail führt der Second Beach Trail (0,8 Meilen) durch den Wald zum Strand. Am Ende führen spazierfreundiche „Treppen” steil hinunter und zuletzt muss man noch die zahlreich angeschwemmten Baumstämme überwinden, bevor man am Strand angelangt ist. Der Shi Shi Beach Trail ist im Vergleich zum Second Beach Trail der schönere und urwüchsigere Trail. Zwar lässt sich die Sonne ab und zu blicken, aber zu einem Bilderbuch-Sonnenuntergang am Second Beach kommt es nicht mehr.

Gefahrene Strecke: 90 mi +++ Unterkunft: Forks Motel, Forks +++ Wetter: 20°C, sonnig bis bewölkt


4. Tag:  HOH RAIN FOREST › RIALTO BEACH › SECOND BEACH
Ochre Sea StarFür die nächsten beiden Tage wird ergiebiger Regen vorhergesagt. Das ändert aber nichts an meinem Tourplan, ein „Immer-Sonnenschein” Trip, gerade im Nordwesten zu dieser Jahreszeit, lässt sich eben nicht im voraus planen. So lasse ich es heute gemütlich angehen. Im Forks Coffee Shop gibt es ein herzhaftes Omelette mit Hash Brownies, Toast und Kaffee. Es ist ein Ausflug zum Hoh Rain Forest im Olympic National Park geplant, den ich zuletzt 2006 besucht hatte. Vom Highway 101 zweigt die 18 Meilen lange Upper Hoh Road zum Hoh Rain Forest ab. Der Name des Regenwaldes beruht auf den Indianerstamm Hoh. Bereits auf der Fahrt dorthin sieht man die mit Moos bewachsenen Sitka Spruce, Western Hemlock, Douglas Fir und andere Baumarten. Drei Trails starten in der Nähe des Visitor Centers: Hall of Mosses Trail, Spruce Trail und Hoh River Trail. Entlang der Trails bekommt man einen guten Einblick in das Ökosystem des Hoh Rain Forest.

Am frühen Nachmittag lichtet sich die Wolkendecke und die Sonne kommt endlich zum Vorschein. Ich fahre zur Rialto Beach und wandere die 1,6 Meilen bis hin zur „Hole-in-the-Wall” Steinformation. Beim Laufen über den größtenteils aus kleinen und größeren Kieselsteinen bestehenden Strandabschnitt sinkt man immer etwas ein, was auf die Dauer ziemlich kräfteraubend ist. Die mächtigen Sea Stacks ergeben mit den Felsen im Vordergrund ein schönes Fotomotiv. Nachdem ich den beschwerlichen Rückweg hinter mich gebracht habe, geht es nochmals zur Second Beach. Mittlerweile hat die Ebbe eingesetzt und die Felsen liegen frei auf denen Muscheln (Black Turban Shell), Seeanemonen (Green Sea Anemone) und Seesterne (Ochre Star) hängen.


Gefahrene Strecke: 100 Meilen +++ Unterkunft: Forks Motel, Forks +++ Wetter: 15°C, Schauer und sonnig