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Top und Flop
Gedanken zu Mastering und Remixes.

Was man seit den 90er Jahren beobachten kann: Viele CDs werden so laut, wie es nur irgendwie möglich ist, produziert. Der Grund für diesen Irrglaube liegt darin, dass man glaubt, laute CDs verkaufen sich besser. Der Trend zu „lauten” Überspielungen ist bei vielen neuen Produktionen/Wiederveröffentlichungen mittlerweile Standard. Mit dem eingeschränkten Dynamikumfang leidet unüberhörbar die Klangqualität darunter. Hier ein Beispiel für eine „laute” Überspielung. Nicht immer sollte man die Schuld beim verantwortlichen Mastering Engineer suchen, denn oft bestehen die Künstler oder die Plattenfirma selbst auf eine „lautes” Mastering/Remastering. Auch der Konsument trägt eine gewisse Mitschuld – als flau wurden viele Erstveröffentlichungen auf CD verteufelt. Kein Wunder das die Plattenfirmen u.a. das zum Anlass nahmen und ihre Mastering-Philosophie änderten. Eine Umkehr vom "Loudness-War" ist seit 2010 zu beobachten, siehe die sehr guten Überspielungen von The Beatles, Black Sabbath, John Lennon und Paul McCartney. Auch die meist „flat-überspielten” SHM-SACDs und Platinum SHM-CDs von Universal Japan sind teils hervorragend gelungen.

The Breath of Life
Die Arbeit von "Audio Music Restoration Specialist" Steve Hoffman kann man nicht hoch genug loben – kein anderer Mastering Engineer versteht es die Klangqualität der Original Master Tapes so musikalisch auf CD oder LP zu transferieren. Auf den Remaster Bob Dylan "Highway 61 Revisited" oder Elvis "24 Karat Hits!" kann man seine Philosophie "The Breath of Life" klar heraushören. Leider sind diese CD/LP-Wiederveröffentlichungen von DCC Compact Classics schon lange vergriffen. Ebenso das Audio Fidelity Remaster von Bad Company. Zum ersten Mal wurden hier die Original Stereo Mixes zum Mastering verwendet und das Klangerlebnis ist eine Wohltat im Vergleich zum Warner-Remaster.

Top

Aerosmith  Toys In The Attic (Sony) *
Bad Company  Bad Company (Audio Fidelity) **
Beatles  Backkatalog (EMI)
Black Sabbath  Heaven And Hell (Universal)
The Byrds  Backkatalog (Sony)
CCR  Backkatalog (Analogue Productions) *
Phil Collins  Face Value (Audio Fidelity)
Alice Cooper  Love It To Death (Audio Fidelity)
Dire Straits  Dire Straits (Universal Japan)
Bob Dylan  Bringing It All Back Home (Sony)
Isaac Hayes  Hot Buttered Soul (MFSL) *
Jethro Tull  Aqualung (EMI)
Rickie Lee Jones  Flying Cowboys (Audio Fidelity)
Peter Gabriel  Up (Virgin) *
Los Lobos  Kiko (MFSL) *
Harry Nilsson  Nilsson Schmilsson (BMG)
Elvis Presley  24 Karat Hits! (DCC) **
Lou Reed  Transformer (BMG)
Rolling Stones  Beggars Banquet (Abkco)
Rolling Stones  Sticky Fingers (Universal Japan)
Roxy Music  Avalon (EMI) *
Simon & Garfunkel  Backkatalog (Sony)
Frank Sinatra  Come Fly With Me (MFSL) *
Jennifer Warnes  Famous Blue Raincoat (Impex)
The Who  Who's Next (MCA)
ZZ Top  Chrome, Smoke & BBQ (Warner)

Flop

David Bowie  Backkatalog 1999 (Virgin)
Genesis  Backkatalog 2008 (EMI)
Gillan  Backkatalog 2007 (Edsel)
George Harrison  All Things Must Pass (EMI)
Iron Maiden  Backkatalog 2002 (EMI)
Judas Priest  Backkatalog 2001 (Sony)
Huey Lewis  Sports (Capitol)
Madonna  Celebration (Warner)
Metallica  Death Magnetic (Warner)
Oasis  Definitely Maybe (Big Brother Recordings)
Rage Against The Machine  XX (Sony)
Red Hot Chili Peppers  Californication (Warner)
The Stooges  Raw Power (Sony)
Van Halen  Backkatalog 1998 (Warner)
Whitesnake  1987 (EMI)

* Hybrid-SACD abspielbar auf CD- und SACD-Player
** out of print

Audiophile Labels, wie Analogue Productions, Mobile Fidelity Sound Lab, Music Matters oder Pure Pleasure Records veröffentlichen Sahnestücke, die für die Major Labels anscheinend uninteressant sind. Genannt seien die CCR Remaster auf SACD und Vinyl, genauso wie unzählige Jazz-Aufnahmen von John Coltrane, Miles Davis, Duke Ellington, Art Pepper oder Sonny Rollins. Das im Jahr 2003 wiederauferstandene Label Mobile Fidelity Sound Lab (MFSL) hat mit hervorragend klingenden Gold, SACD und LP-Remaster aufhorchen lassen, darunter Klassiker von Allman Brothers, The Byrds, Los Lobos, Linda Ronstadt, Little Feat, Stevie Ray Vaughan und Yes. Analogue Productions und Music Matters, Ltd. bringen Jazz-Klassiker von Blue Note und Impulse! in limitierter LP-Auflage (45 rpm) heraus – remastert in Top-Klangqualität von Steve Hoffman und Kevin Gray. Die Überraschung ist, dass sich die eigentlich totgeglaubte Vinylscheibe einen Nischenmarkt sichern konnte, während es mit der CD stetig bergab geht.

Zwischen 1980 und 2000 konnten DCC Compact Classics (out of business) und Mobile Fidelity Sound Lab (MFSL) einen Klassiker nach dem anderen auf CD und LP veröffentlichen. Mittlerweile haben die großen Plattenfirmen eigene Reissues-Abteilungen (u.a. Sony Legacy oder Universal Chronicles) und remastern ihre Wiederveröffentlichungen meist in Eigenregie. Umso erfreulicher, wenn Audio Fidelity und MFSL und weiterhin bekannte Klassiker in sehr guter Klangqualität lizensieren können. Einige der besten Audio Fidelity Titel: Alice Cooper "Love It To Death", Butterfield Blues Band "East-West", Linda Ronstadt "Heart Like A Wheel", Vangelis "Blade Runner." Einige der besten MFSL-Titel: Allman Brothers "Idlewild South", Little Feat "Waiting For Columbus", Los Lobos "Kiko", Santana "Abraxas", Little Feat "Dixie Chicken", Yes "Fragile" und diverse Miles Davis und Sinatra Alben.

Joe Cocker - With A Little Help From My FriendsRemixes sind in Mode gekommen. Nichts spricht gegen eine neue Abmischung von den Multitrack Tapes, wenn die Qualität der Master Tapes so schlecht bzw. das Master Tape nicht mehr auffindbar ist, sodass ein Remastering keinen klanglichen Vorteil bringen würde. Zu hervorragenden Remixes gehören unter anderen Joe Cockers Debüt "With A Little Help From My Friends", Deep Purple "Machine Head", Bob Dylan "Bringing It All Back Home" und "Highway 61 Revisited" oder The Band "Live At The Academy Of Music 1971". Außerdem diverse Steven Wilson Remixes: Emerson, Lake & Palmer "Tarkus", Jethro Tull "Aqualung", Yes "The Yes Album" und "Close To The Edge." Negativbeispiele sind die Remixes von The Who, John Lennon oder The Stooges "Raw Power". Dennoch ziehe ich ein Remaster einem Remix vor, schon allein wegen der Authenzität der Originalaufnahme.


Audiophile Record Labels
Clarity, DCC Compact Classics, Pope Music oder Sheffield Lab existieren leider nicht mehr. Man kann froh sein, dass sich einige Independent Reissue Labels fest etablieren konnten, u.a. Analogue Productions, Audio Fidelity, Bear Family Records, MFSL, Pure Pleasure Records, Repertoire Records oder Speakers Corner. Hinzu kommen noch Labels, u.a. Chesky, First Impression Music, Groove Note Records, Opus, Reference Recordings und diverse Klassiklabels die sich hauptsächlich auf Neueinspielungen spezialisiert haben. Die aufgezählten Plattenfirmen legen großen Wert auf sehr gute Klangqualität und sind Garant für „Guten Klang”. Wenn man erstklassiges Mastering/Remastering hören möchte, dann sollte man die Angaben im CD-Booklet genau studieren. Einen hervorragenden Ruf genießen u.a. Vic Anesini, Barry Diament, Eroc, Bernie Grundman, Steve Hoffman, Joe Palmaccio, Andy Pearce oder Doug Sax.

Einen tieferen Einblick über das Thema Remastering kann man hier nachlesen.